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Vegan – Tag 3

Seit Aschermittwoch faste ich auf Milchprodukte, Eier und andere tierische Erzeugnisse. Vegetarierin bin ich ja schon seit 1995. Nun möchte ich probieren, ob ich ganz ohne tierische Produkte auskommen kann. Und da ich ja kein sehr entscheidungsfreudiger Mensch bin und gern eine Hintertür habe, bot sich die Fastenzeit dafür an – da macht man ja gern mal Dinge, die man sonst nicht macht – auf das Handy verzichten, keine Computerspiele spielen… Ich verzichte auf tierische Produkte – erst mal, wenn ich es schaffe, bis Ostern. Danach sehen wir weiter.

Da das ein relativ spontaner Entschluss war (das geht tatsächlich auch ab und zu!), hatte ich vorher nicht wirklich eingekauft. Ich habe zwei kleine Kochbücher für vegane Ernährung, hatte auch vor Jahren schon mal angefangen, fühlte mich aber nicht wohl. Dieses Jahr habe ich aber seit Weihnachten viel zugenommen – also, ein paar Kilo, immerhin so viel, dass ich mich unwohl fühle und auch oft Sodbrennen hatte. Der kleine Hunger zwischendurch war mein größtes Problem. Und da ich Schokolade liebe… Nun gut, es ging mir nicht gut, also war es Zeit, etwas zu ändern. Warum nicht einen neuen Versuch wagen?

Das eine Kochbuch enthält fast kein Vorwort, aber dafür ganz nette Rezepte. Ja, davon könnte ich einiges nachkochen, was auch meinem 17-jährigen Sohn, einem überzeugten „Allesesser“ schmecken würde. Das andere Buch hat ein tolles Vorwort, das als erstes eine Art Einkaufsliste enthält, also alle Lebensmittel, die man als Veganerin im Hause haben sollte. Dann kommt ein Kapitel darüber, womit man gewohnte Produkte ersetzen kann – Milch mit Sojamilch, Mandelmilch, Reismilch, Hafermilch, Butter mit Margarine, aber Vorsicht, die ist nicht immer rein pflanzlich, Eier in kleinen Mengen kann man weglassen… Das klang alles sehr einfach und durchaus machbar. Aber in den Rezepten wurde es dann leider richtig kompliziert – da gab es Zutaten, von denen ich noch nie gehört hatte, und für jedes Gericht brauchte man zig verschiedene Zutaten – geht es noch komplizierter?

Ok, einiges von dem, was ich ohnehin koche, ist vegan oder kann leicht vegan werden. Morgens kann ich Müesli essen, ohne Milch, dafür mit Wasser, das geht auch. Abends – ja, das wird schwierig. Das Käsebrot ist ja nun gestrichen. Aber irgendwas wird sich schon finden. Allerdings hatte ich noch Käse im Kühlschrank, den außer mir keiner isst, den ich also erst noch aufessen musste.

So, die ersten beiden Tage verliefen ganz gut. Gestern habe ich in drei normalen Supermärkten hier im Ort eingekauft und festgestellt, dass neuerdings auf den Broten bei meinem üblichen Discounter aufgedruckt ist, ob sie vegan sind – da gibt es ja schon einiges. Fein! Außerdem gibt es in allen drei Läden Sojamilch und andere „Milchersatzprodukte“, die auch gar nicht unbedingt so wahnsinnig teuer sind. Vegane „Wurst“, veganen „Käse“, vegane Bratlinge in verschiedenen Formen, vegane „Bratwurst“, vegane Schokolade… eigentlich gibt es fast alles. Ob man das braucht, ist eine andere Frage, aber wenn es dann doch mal sein muss, kann man erst mal auf so etwas ausweichen und muss nicht gleich rückfällig werden.

Ich bin also sehr glücklich mit meinen veganen Biolebensmitteln nach Hause gefahren – und habe mir abends völlig selbstverständlich Butter auf mein Brot gestrichen – ups… Ja, jahrelange Gewohnheiten muss man erst mal überwinden. Und der Käse, der erst noch gegessen werden muss, ist sowieso nicht vegan.

Heute Morgen hatte ich ein sehr leckeres Muesli – ich habe mich richtig gefreut. Eine Muesli-Grundmischung mit heißem Wasser, dazu ein Löffel selbstgemachte Erdbeermarmelade und einen Schluck Sojamilch – lecker. Der Kaffee mit Sojamilch war auch genießbar – das war meine größte Sorge. Klar kann man auch Tee trinken, aber ich mag halt Kaffee zum Frühstück. Und ich bin nun wirklich optimistisch, dass ich mich, zumindest bis Ostern, vegan ernähren kann.

Gut, bis dahin bin ich noch zu drei Geburtstagsfeiern eingeladen und habe auch selbst noch Geburtstag. Es haben sich alle prima darauf eingestellt, dass ich Vegetarierin bin, selbst bei der Feuerwehr klappt das fast immer wirklich gut. Aber ob sich nun alle Gedanken darüber machen müssen, wie sie eine Veganerin füttern… Hm, ich denke, ich lasse das mal auf mich zukommen.

Genau genommen mache ich das ja für mich. Für meinen Körper und für mein Gewissen. Ja, auch ein bisschen für das Tierwohl und den Klimaschutz, wobei ich nicht glaube, dass auch nur eine Kuh weniger gehalten wird, nur weil ich jetzt keine Kuhmilch mehr trinke und keinen Käse, kein Joghurt und keine Butter mehr esse. Dennoch, in erster Linie ist der Mensch egoistisch – ich fahre ja auch Auto, was für die Umwelt nicht gut ist, habe einen PC, verbrauche viel Energie… Wenn ich nun also entscheide, vegan zu leben, aber an Geburtstagen und bei anderen Feiern doch mal etwas Käse esse, um die Gastgeber nicht zu stressen, finde ich das in Ordnung.

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